„Land unter“ – Irgendwann will jeder (mal) auf ´ne Hallig!

BeSeaside_Hallig(Seaside Story #11) Mehr Ruhe geht nicht, so viel ist sicher. Doch ist diese Dimension der Entspannung für einen Menschen vertretbar, oder schleicht sich bei einem längeren Aufenthalt – oder einem ganzen Leben – gar eine gewisse Spur an Verrücktheit ein? Das Leben auf einer Hallig: Für viele der (Urlaubs)Traum, für wenige ein Dauerzustand.

Reif für die Insel? Das sind viele. Aber wem selbst die Inseln an der deutschen Küste zu bevölkert sind, wem der Trubel auf Spiekeroog zu groß ist, für den gibt es ja immer noch die Halligen. Zehn dieser kleinen Marschinseln gibt es an Deutschlands Küsten, sieben davon sind bewohnt. Erreichbar per Schiff oder auf einer ausgeprägten Wattwanderung kann man die kleinen Erhebungen im Meer besuchen – und allen rund 230 Bewohnern persönlich die Hand schütteln. Ein Traum, so eine Hallig?!

Wunschort im Alltag. Mehr Einsamkeit als auf den kleinen Landflächen im Nationalpark Schleswig-Holsteins kann man nicht finden. Das kann getrost als Fakt gewertet werden, lässt man die Einzelhaft in einer Justizvollzugsanstalt außen vor (was wir in diesem Fall dürfen, da eine JVA in den Urlaubsstatistiken nicht unter den wünschenswertesten Reisezielen zu finden ist). Während man sich, Woche für Woche, fünf bis sechs Tage am Stück bei der Arbeit im Stress befindet, ist der Gedanke nicht selten: „Alles hinter mir lassen, nichts wie weg auf die Hallig, Einsamkeit und Ruhe pur!“ Ein Leben in kompletter Abgeschiedenheit und damit auch Entspannung scheint hier zu winken. Die am dichtesten besiedelte Hallig Langeneß mit 134 Einwohnern kann ja keinen Alltagsstress aufweisen. Im ersten Moment scheint dieser Gedanke viel Wahres zu versprechen, auf einer Hallig lässt es sich wahrlich auf- und aushalten!

Die Halligen – Leben in Abgeschiedenheit. Die Halligen sind vermutlich seit der Wikingerzeit bewohnt, schriftlich erstmals erwähnt wurden sie im Jahr 1231. Die Männer waren traditionell im Fisch- und Walfang tätig, da in der Flora der Marschinseln ausschließlich salzwasserresistente Pflanzen angesiedelt sind. Das hat einen besonderen Grund, der den Traum-Wohnort Hallig mit einem Schlag etwas weniger attraktiv werden lässt, als man es in einer stressigen Minute noch erwarten mag. Denn das Sprichwort „Land unter“ hat einen Ursprung, der unweigerlich mit den Halligen in Verbindung steht.

BeSeaside_Hallig_angelandet_12042015“Landunter“ – oder: Warum einem das Wasser bis zum Halse steht. So nennen die Einheimischen traditionell das Vorkommnis, das 15 bis 20 Mal im Jahr unweigerlich passiert auf Nordstrandischmoor, Gröde, Langeneß, Hooge, Habel, Südfall, Süderoog, Norderoog und Hamburger Hallig. Während früher rund zehnmal im Jahr durch eine Sturmflut das Fleckchen Land größtenteils geflutet wurde, hat sich dieses Ereignis aufgrund des angestiegenen Wasserspiegels verdoppelt. Die Häuser und andere Einrichtungen sind deshalb auf Warften gebaut, doch auch diese künstliche Anhöhungen konnten einen Verfall über die Jahrhunderte nicht komplett aufhalten. Dazu tragen auch die die ständigen Kantenabbrüche bei. Schlägt man den Begriff „Hallig“ in der größten digitalen Enzyklopedie nach, wird man begrüßt mit folgender Einleitung: „Die Halligen sind kleine, nicht oder nur wenig geschützte Marschinseln vor den Küsten, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können.“ Traumhaft…

Warum nun heisst die Hallig eigentlich  „Hallig”? So ganz eindeutig scheint die Herleitung des Begriffs nicht zu sein: sie reicht von „holm“ (=kleine Insel), über die Begrifflichkeit aus dem 19. Jahrhundert, wonach mit „Hallig“ jegliches an der offenen See liegende unbedeichte Land bezeichnet wurde, bis hin zu „hill“ (englisch = Hügel, ragt aus dem Wasser!). Auch ein Bezug zur Salzgewinnung an der Küste scheint realistisch („hallan“ aus dem gemanischen für die Salzkruste).

Was macht eine Hallig aus? Aber was soll schon das gelegentliche „Land unter!“…. immerhin haben die Halligen auch etwas Faszinierendes, etwas, was keine „echte“ Insel trotz ihres ähnlichen Aufbaus bieten kann. Es ist dieses Gefühl der Isolation, ein Fleckchen Erde, an dem die Welt noch nicht verkommen zu sein scheint. Es gibt den dörflichen Zusammenhalt unter den Einwohnern und allerlei kuriose Geschichten. Vor drei Jahren gab es etwa auf einer Hallig die kleinste Schule der Nation, als eine Lehrkraft drei Schüler unterrichtete. Lehrer sind nicht nur das einzige Gut, was vom Festland kommt. Die Halligen sind zu einem Großteil abhängig von Lieferungen von der Außenwelt. Die heutige Kommunikation und Lieferungen vom Festland mögen ihre positiven Seiten haben: Zu früheren Zeiten wurde aufgrund des Mangels an Brennmaterial häufig Schafskot oder Kuhdung getrocknet und im Ofen verfeuert.

Die Quintessenz: Eine Hallig – warum nicht? Sie sind immer ein Highlight im Urlaub („Best of Halligen!“), für einen Tagestrip absolut zu empfehlen und immer wieder aufs neue Wert besichtigt zu werden. Doch wenn im Büro das nächste Mal das Wasser vermeintlich bis zum Halse steht, sollte das „Land unter“ einer Hallig vielleicht doch nochmal bedacht werden…

Eine stressfreie Woche für Euch!

Euer Jan-Hendrik & BeSeaside

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